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Remo Hans Largo ist ein Schweizer Kinderarzt und Autor von Sachbüchern zur Erziehung. Remo H. Largo hat sein letztes Buch geschrieben. In "Das passende Leben" fordert der bekannte Schweizer Kinderarzt mehr Raum für wahre Individualität. Remo Hans Largo (* November in Winterthur, Kanton Zürich) ist ein Schweizer Kinderarzt und Autor von Sachbüchern zur Erziehung. Hier erfahren Sie alles über den Autor „Remo H. Largo“ Biografie • Bücher • Rezensionen •. Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo erklärt, wieso Hausaufgaben nichts bringen und Eltern weniger Druck auf ihre Kinder ausüben sollten. Remo Largo: Ab der Geburt. Lernen heisst ja immer auch entsprechende Erfahrungen machen zu können. swissmom: Wie kann eine Mutter das. Vielleicht habt auch ihr die Bücher «Babyjahre» und «Kinderjahre» von Remo Largo gelesen. In einem Interview verrät der Kinderarzt und.

Remo Largo - Guter Vorsatz trifft Familienleben
Bitte schicken Sie uns einen Beleg an press piper. Der Kommunismus hat versagt, weil er die Vielfalt und Individualität der Menschen missachtet hat. Wir leben in einer anonymen Massengesellschaft. Wenn Kinder nicht selbstbestimmt lernen können, sondern ihnen ständig gesagt wird, was sie zu lernen haben, werden sie irgendwann zu Befehlsempfängern.Remo Largo Inhaltsverzeichnis Video
Prof. Dr. Remo Largo: Bildungskongress 2013 Schulen der Zukunft
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Remo Largo - Lernen geht andersWarum tut er das? Nimmt er an, es sei etwas Essbares? Eltern wundern sich nicht nur über das kindliche Verhalten. Sie stellen sich auch erzieherische Fragen: Ist das nicht unhygienisch?
Könnte ihr Kind nicht ersticken, wenn es ständig Dinge in den Mund nimmt? Müssen sie ihr Kind davon abhalten?
Ein Säugling steckt Gegenstände in den Mund, weil er sie nicht über die Augen, sondern über den Mund kennenlernt. Es ist also geradezu eine Notwendigkeit, dass der Säugling Gegenstände in den Mund nehmen kann.
Einsicht in sein Verhalten hilft uns, das Kind gewähren zu lassen. Wenn wir verstehen, warum ein Säugling alles in den Mund nimmt, werden wir seinem Treiben nicht mehr mit unguten Gefühlen zuschauen oder gar versuchen, das Mundeln zu unterbinden.
Wir überlegen uns vielmehr, welche Gegenstände geeignet und ungefährlich sind, um dem Kind diese Sinneserfahrung zu ermöglichen. Kinder zeigen in den ersten Lebensjahren viele weitere Verhaltensweisen, die Eltern nicht ohne Weiteres verstehen.
Wenn ein Kind in einem bestimmten Alter genussvoll Gegenstände vom Kindersitzchen auf den Boden wirft und einige Monate später mit Eifer Schubladen ausräumt, so ergeben diese Aktivitäten für das Kind Sinn, auch wenn dieser für Erwachsene nicht ohne Weiteres ersichtlich ist und sie sich vielleicht sogar über das kindliche Verhalten ärgern.
Verstehen wir ein Verhalten nicht, sollten wir das Kind gewähren lassen, solange sein Spiel ungefährlich ist. Wir sollten immer davon ausgehen, dass das Spiel für das Kind sinnvoll ist, auch wenn wir dessen Bedeutung nicht immer einzusehen vermögen.
Eltern haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Kinder zu erziehen sind. Erziehen kann für sie bedeuten, das Kind darin zu unterstützen, seine Fähigkeiten zu entwickeln, und es zu unterweisen, damit es sich Fertigkeiten und Wissen aneignen kann.
Erziehen bedeutet für die meisten Eltern auch, das Kind zu führen und über das Kind zu bestimmen. Unabhängig davon, für welchen Erziehungsstil sich die Eltern entscheiden, keine Mutter und kein Vater kommt um den Gehorsam herum.
Auch die erfahrensten Eltern können nicht darauf verzichten, ihren Kindern Grenzen zu setzen. Und selbst den kompetentesten Eltern gehorchen die Kinder unterschiedlich gut.
Es gibt Kinder, die von ihrem Wesen her leichter zu lenken sind und Aufforderungen eher nachkommen als andere. Besonders häufig müssen Eltern Grenzen setzen, wenn die Kinder 2 bis 5 Jahre alt sind.
Die Bedeutung, die Eltern dem Gehorsam in der Erziehung zuschreiben, wird durch vielerlei Faktoren geprägt. Dazu kommen die Erfahrungen und Wertvorstellungen, die Eltern als Kinder mit ihren Eltern gemacht und die sie — zumeist unbewusst — verinnerlicht haben.
Und dann ist da noch ein mehr als Jahre altes Erbe jüdisch-christlicher Kultur, in der Gehorsam nicht nur Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst, das eigentliche Erziehungsziel, war, wie folgende Zitate aus verschiedenen Jahrhunderten belegen.
Ein Kind, das gewohnt ist, seinen Eltern zu gehorchen, wird auch, wenn es frei und sein eigener Herr wird, sich den Gesetzen und Regeln der Vernunft unterwerfen, weil es einmal schon gewöhnt ist, nicht nach seinem eigenen Willen zu handeln.
Dieser Gehorsam ist so wichtig, dass eigentlich die ganze Erziehung nichts anderes ist, als die Erlernung des Gehorsams. Sulzer Die Disziplin erlebt in der Erziehung derzeit eine Renaissance.
Dabei scheint es weniger um das Kindeswohl zu gehen als vielmehr darum, die Erziehungsarbeit für Eltern und Lehrpersonen möglichst effizient zu gestalten und die Kinder mit möglichst wenig Aufwand zu kontrollieren.
Werden Kinder mit der Disziplin früherer Zeiten erzogen, sind sie als Erwachsene oft zu autoritätsgläubig, wenig eigenständig, scheuen Verantwortung und ordnen sich, weil sie keine eigene Meinung haben, jeder Art von Obrigkeit in Gesellschaft und Wirtschaft unter.
Kann das heute noch das Ziel unserer Erziehung sein? Wie ungehorsam sind denn Kinder überhaupt? Etwas mehr als 70 Prozent der Eltern bezeichnen ihre Kinder im Alter von 1 und 7 Jahren als ungehorsam.
Der höchste Wert liegt im Alter von 2,5 bis 4 Jahren. Zudem wird bereits in den ersten 2,5 Jahren der zu hohe Fernsehkonsum 30 Prozent der Kinder bemängelt, bei älteren Kindern zusätzlich Unordentlichkeit 45 Prozent und ungenügende Lernbereitschaft 25 Prozent.
Wenn wir davon ausgehen, dass Eltern in der Schweiz nicht weniger kompetent sind als in anderen Ländern, können wir aus der Studie den Schluss ziehen, dass Ungehorsam den Erziehungsalltag dominiert.
Diese Schlussfolgerung ist meines Erachtens falsch. Ich bin der festen Meinung, dass Kinder im Alltag überwiegend gehorchen. Wäre dem nicht so, wäre die Erziehung von Kindern ein Albtraum.
Unserer bewussten Wahrnehmung scheint es zu entgehen, dass Kinder zumeist gehorchen. Wir nehmen ihr Einlenken als etwas Selbstverständliches hin.
Wenn sich Kinder aber widersetzen, ärgern wir uns, und es bleibt in unserer Erinnerung haften. Warum gehorchen Kinder? Es ist zumeist nicht die Angst vor irgendeiner Strafe, es gibt weit gewichtigere Gründe.
Der wohl wichtigste Grund für den kindlichen Gehorsam ist, dass das Kind die Bezugsperson, die von ihm etwas verlangt, mag und sie nicht enttäuschen will.
Es leistet ihren Aufforderungen Folge, weil es ihre Liebe und Zuwendung nicht verlieren will. Die positive emotionale Abhängigkeit macht das Kind gehorsam.
Wenn der Vater mit seinem 4-jährigen Sohn den Samstagnachmittag verbracht hat und sie beide eine gute Zeit miteinander hatten, kann er ihm mit wenig Aufwand ausreden, den Fernseher anzumachen.
Kommt der Vater jedoch nach einem langen Arbeitstag abends nach Hause und verbietet beim ersten Kontakt dem Sohn das Fernsehen, wird er dies als Ablehnung empfinden und den Vater in eine Auseinandersetzung verwickeln.
Die Eltern sollten daher immer versuchen, was oft schwierig ist, die momentane Beziehungssituation und die emotionale Befindlichkeit des Kindes mitzuberücksichtigen.
Ein weiterer wichtiger Grund, weshalb ein Kind gehorcht, ist, dass die elterliche Forderung dem kindlichen Bedürfnis nach Selbstbestimmung Rechnung trägt.
Jedes Kind hat den tiefen Drang, über sich zu bestimmen und selbstständig zu werden. Bereits das Neugeborene will, wenn auch in einer begrenzten Weise, selbstständig sein.
Es möchte mitbestimmen, wann und wie viel es trinken, ob es schlafen oder wach sein soll. Sobald der Säugling greifen kann, hat er seine eigenen Absichten, wie er mit den Gegenständen umgehen will.
Beginnt das Kind, sich fortzubewegen, hat es seine eigenen Ziele, wohin es krabbeln oder laufen will. Dies bedeutet keineswegs, dass das Kind vom ersten Tag an allein bestimmend sein will und auch sein soll.
Das Kind allein soll entscheiden, wann und wie viel es trinken will. Manche Kinder entwickeln sich auf diese Weise prächtig. Andere trinken aber von sich aus nicht ausreichend.
Was für das Stillen gilt, trifft auch auf andere Bereiche zu: Gleichaltrige Kinder sind in ihren Anlagen verschieden und unterschiedlich weit entwickelt.
Eine Erziehungshaltung, die für alle Kinder die richtige wäre, gibt es daher nicht. Während einige Säuglinge in ihrem Trinkverhalten schon so weit sind, dass sie selber Menge und Zeitpunkt der Mahlzeiten bestimmen können, sind andere noch auf die Hilfestellung der Eltern angewiesen.
Ist das Kind kompetent, soll es auch bestimmen dürfen. Hindern es die Eltern daran, eine Tätigkeit auszuführen, die es ausüben kann, entmutigen sie es und machen es unselbstständig.
Ist das Kind jedoch nicht kompetent, müssen die Eltern bestimmen. Verlangen die Eltern vom Kind eine Tätigkeit, die es noch nicht ausführen kann, überfordern sie es.
Unter- wie auch Überforderung wirken sich nachteilig auf das Selbstwertgefühl des Kindes aus. Eine Frage, die sich in der Erziehung immer wieder aus Neue stellt, lautet: Ist das Kind wirklich ungehorsam, oder haben wir Erwachsene falsche Erwartungen?
Falsche Erwartungen und Vorstellungen gab und gibt es zweifellos. Es musste den Kindern schleunigst ausgetrieben werden, damit diese zukünftig nicht immer ihren Willen durchsetzen wollen.
Heute noch meinen Eltern viel zu früh, dass ihre Kinder eine Vorstellung von Ordnung und Unordnung haben. Solche Erwartungen überfordern die Kinder, als Relikte veralteter Erziehungshaltungen erscheinen sie den Eltern jedoch wichtig.
Eltern sollten sich immer wieder fragen, ob die Anforderungen, die sie an ihr Kind stellen, entwicklungs- und kindgerecht sind.
Viele Verhaltensweisen, die sich Eltern bei ihrem Kind wünschen, können sie mit wenig Aufwand erreichen.
Sie müssen sich lediglich vorbildgerecht verhalten. Kinder haben eine ausgesprochene Neigung, das Verhalten ihrer Bezugspersonen zu übernehmen.
Sie müssen das Kind nicht dazu anweisen. Wenn die Eltern mehr als 3 Stunden pro Tag fernsehen, was in unseren Breitengraden den Durchschnitt darstellt, ist es für sie schwierig dem Kind plausibel zu machen, weshalb gerade es möglichst wenig fernsehen soll.
Vorwort Boarding für den Flug Hamburg — Zürich. Vor mir steht eine Mutter, die ihr Kind auf dem Arm hat, das mich neugierig anschaut. Ich frage sie, wie alt ihre Tochter ist.
Marisa sei 12 Monate und mache bereits die ersten Schritte. Marisa wird unruhig, sie will runter. Marisa macht vorsichtig einige Schritte. Weil die Gangway etwas abfällt, wird Marisa immer schneller, bis sie am Hosenbein eines Mannes zum Halten kommt.
Der Mann blickt erstaunt nach unten und lächelt Marisa an. Die Mutter nimmt ihre Tochter hoch. Im Flugzeug angekommen, stellt sie Marisa wieder auf den Boden.
Das Mädchen läuft stolz den Gang entlang und schaut sich aufmerksam die Menschen in den Sitzreihen links und rechts an. Da Passagiere hinter uns nachdrängen, nimmt die Mutter ihre Tochter erneut hoch und geht mit ihr zu ihren Plätzen.
Sie kommen neben dem Mann von vorhin zu sitzen. Marisa lächelt ihn an. Den kenne ich doch. Wenn Kinder auf die Welt kommen, erwarten sie nur Gutes.
Sie wollen mit Freude empfangen, geliebt und umsorgt wer-den. Die nächsten 15 Jahre lang sind sie unablässig damit beschäftigt, sich Fähigkeiten wie das Laufen und Sprechen anzueignen; sie sind unendlich stolz, wenn sie wieder einen Entwicklungsschritt geschafft haben.
Und sie wollen alles um sich herum kennenlernen und verstehen. Ich habe meine helle Freude daran, Kindern wie Marisa zuzuschauen.
Jedes Kind ist für mich immer noch eine neue Erfahrung, etwas Einzigartiges. Wie unterschiedlich Kinder sein können, war eine der nachhaltigsten Erfahrungen, die ich in meiner Tätigkeit als Wissenschaftler und klinisch tätiger Entwicklungspädiater in mehr als 30 Jahren gemacht habe.
In den Zürcher Longitudinalstudien durfte ich mit meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mehr als Kinder von der Geburt bis ins Erwachsenenalter begleiten.
Wir haben die Entwicklung jedes einzelnen Kindes Jahr für Jahr in Bereichen wie Motorik und Sprache detailliert aufgezeichnet und analysiert.
Bei der Auswertung der Daten stellte sich heraus, dass es keine Fähigkeit, kein Verhalten und keine körperliche und psychische Eigenschaft gibt, die bei allen Kindern gleich ausgebildet ist.
Einige Kinder machen die ersten Schritte im Alter von 10, andere erst mit 20 Monaten. Es gibt Kinder, die sich bereits mit 3 bis 4 Jahren für Buchstaben interessieren, die meisten erst mit 6 bis 8 Jahren, und nicht wenigen bereitet das Lesen selbst im Erwachsenenalter noch Mühe.
Beispielsweise bei Bernhard, der von seinen Eltern in die entwicklungspädiatrische Poliklinik gebracht wurde, weil er mit 10 Jahren immer noch nicht rechnen konnte.
Er fühlte sich als Versager, da er hinter den anderen Kindern zurückblieb und die Erwartungen der Eltern und der Lehrerin nicht zu erfüllen vermochte.
Bernhard war in seinem Wohlbefinden so sehr beeinträchtigt, dass er mehrmals den Schulbesuch verweigerte.
Sie litten an den unterschiedlichsten Entwicklungsstörungen wie einer Rechenschwäche und reagierten darauf mit Verhaltensauffälligkeiten wie Ess- und Schlafstörungen oder wie Bernhard mit sozialem Rückzug.
So versuchten wir den Kindern zu helfen, indem wir uns ein Bild von ihren individuellen Fähigkeiten machten und dann gemeinsam mit den Eltern und Bezugspersonen überlegten, wie das jeweilige Kind mit seinen Stärken und Schwächen am besten unterstützt werden konnte.
Das war häufig nicht leicht, hatten doch viele Eltern und Lehrer bestimmte Erwartungen an das Kind, ganz eigene Vorstellungen von seinen Fähigkeiten und vor allem von den Leistungen, die es erbringen sollte.
Wenn es uns jedoch gelang, die Erwachsenen auf die individuellen Be-dürfnisse und Fähigkeiten des Kindes einzustellen, verbesserte sich sein körperliches und psychisches Wohlbefinden und seine Lernbereitschaft nahm zu.
Ein Verständnis für die kindliche Entwicklung ist eine weitaus bessere Erzie-hungshilfe als jeder wohlmeinende Ratgeber. Dieses Buch hat eine andere Zielsetzung als meine früheren Bücher, in denen ich die Vielfalt unter den Kindern und den Verlauf der kindlichen Entwicklung beschrieben habe.
In den vergangenen 20 Jahren hat sich mein Verständnis für das Fit-Prinzip so sehr vertieft, dass ich mich entschlossen habe, das Buch vollständig zu überarbeiten.
Remo H. Ist meine Mathearbeit schlecht ausgefallen? Als die Lehrerin Bens Verunsicherung und auch die der anderen Kinder bemerkt, erklärt sie der Klasse, dass sie müde und besorgt ist, weil ihr Kind in der vergangenen Nacht krank wurde und sie es ins Krankenhaus bringen musste.
Dann teilt die Lehrerin die Mathearbeit aus. Ben ist Zweitbester. Er ist sehr zufrieden. Er spürt auch die Anerkennung von der Lehrerin und den anderen Kindern; manche schauen sogar ein bisschen neidisch zu ihm herüber.
Menschen jeden Alters wollen sich angenommen fühlen. Wie Ben reagiert auch ein gestandener Bankbeamter auf ein distanziertes Verhalten seines Vorgesetzten.
Besonders Kinder aber brauchen für ihr Wohlbefinden ein Gefühl von Angenommensein. Ihr Selbstwertgefühl hängt wesentlich davon ab, ob sie die notwendige Anerkennung von den Erwachsenen und den anderen Kindern bekommen.
Wohlbefinden, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit machen Kinder stark. Sie geben ihnen das Gefühl, ein gutes Leben zu führen, sich selbst zu mögen und ihren Alltag im Griff zu haben.
Wie sich ein Kind fühlt, etwa wenn es in der Schule überfordert wird, bestimmt sein Verhalten — und oft, wie erfolgreich es ist.
Ist es in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt und verfügt über ein geringes Selbstwertgefühl, schwächt das seine Beziehungsfähigkeit.
Seine Lernmotivation und sein Leistungsvermögen werden durch die innere Unsicherheit ebenfalls herabgesetzt.
Kinder können ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihr Wissen nur ungenügend einsetzen, wenn sie sich unwohl fühlen und verunsichert sind. Schlimmstenfalls leiden ihr Wohlbefinden, Selbstwertgefühl und ihre Selbstwirksamkeit derart, dass sie überzeugt sind: Mich mag niemand, ich kann nichts, ich bin nichts wert.
Eine solch tiefe emotionale Verunsicherung erleben Kinder als Stress, der zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Verdauungsstörungen führen kann.
Dies zu gewährleisten ist das Hauptanliegen des Fit-Prinzips. Das Normale an der kindlichen Entwicklung ist Vielfalt Wären alle Kinder gleich, wäre Erziehung nicht gerade ein Kinderspiel, aber doch sehr viel einfacher.
Wenn gleichaltri-ge Kinder gleich viel essen würden, im selben Alter zu sprechen anfingen und in der Schule gleich gut lesen könnten, gäbe es weit weniger Erziehungsprobleme.
Was den ganzen Mehraufwand jedoch bei Weitem aufwiegt und Kinder so kostbar macht: Jedes Kind ist als Person und in seinem Werdegang einzigartig.
Kinder sind bereits bei der Geburt sehr verschieden und werden es im Verlauf ihrer Entwicklung immer mehr. So gibt es unter gleichaltrigen Kindern solche, die doppelt so viel essen wie andere.
Während das eine Kind mit 12 Monaten die ersten Wörter spricht, ist ein anderes erst mit 30 Mona-ten so weit.
Die meisten Kinder lernen im Alter von etwa 7 Jahren Rechnen. Einige bringen sich das Rechnen bereits mit 4 bis 5 Jahren selbst bei, anderen gelingt dies erst Jahre später.
Früh entwickelte Mädchen bekommen mit 10 Jahren ihre Regel, spät entwickelte erst mit 16 Jahren. Das Normale an der kindlichen Entwicklung ist Vielfalt.
Zu akzeptieren, dass geistige Fähigkeiten wie Sprache und Zahlenverständnis ebenfalls unterschiedlich angelegt sind, fällt — insbesondere bei den eigenen Kindern — weitaus schwerer.
Gleichaltrige Kinder können so verschieden sein, dass eine erzieherische Haltung, die dem einen Kind entspricht, bei einem anderen verfehlt sein kann.
Je mehr es uns gelingt, uns auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder einzustellen, desto besser werden sie sich entwickeln und desto geringer wird der erzieherische Aufwand sein.
Viele erzieherische Schwierigkeiten treten gar nicht erst auf, wenn wir uns an der Individualität des Kindes orientieren.
Von den Normvorstellungen Abschied zu nehmen ist nicht einfach, und der Individualität eines Kindes gerecht zu werden ist anspruchsvoll.
Dafür müssen wir als Eltern, Bezugspersonen und Fachleute unsere Erziehungshaltung immer wieder hinterfragen und uns immer wieder neu auf das Kind einstellen.
Er ist bei 20 Grand-Slam-Turnieren als Sieger hervorgegangen und hat die Weltrangliste mehr als Wochen lang angeführt.
Wenn Jugendliche einen dicken Harry-Potter-Band in einer Woche verschlingen, während einige ihrer Schulkameraden selbst eine kurze Notiz in einer Boulevardzeitung nur mit Mühe entziffern können — ist das so, weil ihre Lesekompetenzen so verschieden angelegt sind, oder liegt es daran, dass Elternhaus und Schule sie unterschiedlich unterstützt haben, oder trifft beides zu?
Sich darüber Klarheit zu verschaffen ist überaus wichtig, denn je nachdem, ob wir annehmen, dass ein bestimmtes Verhalten angeboren ist oder durch die Erziehung bestimmt wird, verhalten wir uns unterschiedlich.
Fakt ist: Es ist immer sowohl Anlage als auch Erziehung beziehungsweise Erfahrung. So ist der tägliche Schlafbedarf biologisch vorgegeben. Die Eltern können die Schlafdauer ihres Kindes nicht bestimmen, sondern müssen sich darauf einstellen, dass es ein Kurz- oder Langschläfer sein kann.
Hingegen können sie bestimmen, wann das Kind ins Bett geht, und können dafür sorgen, dass das abendliche Zubettbringen zu einer innigen Viertelstunde wird, die das Kind entspannt einschlafen lässt.
Was die Anlage zur Entwicklung beiträgt, kann die Umwelt nicht leisten. Was die Umwelt dazu beträgt, kann die Anlage nicht leisten.
Es geht also darum zu verstehen, wie Anlage und Umwelt zusammenwirken. Was Kinder in ihrer Entwicklung antreibt Jedes Kind wird mit einem riesigen Entwicklungspotenzial geboren, das im Verlauf von Jahrmillionen entstanden ist und sich bewährt hat.
Dieses ihm eigene Potenzial will das Kind verwirklichen. In den ersten Lebensmonaten beginnt es nach Gegenständen zu greifen und sie kennenzulernen.
Mit einem Jahr kann es laufen und einige Worte verstehen. Mit 3 Jahren beginnt es zu zeichnen und mit dem Dreirad herumzufahren. Nun kommt es in die Schule, und die Entwicklung seiner Fähigkeiten macht bis zum Abschluss der Pubertät noch einmal einen Quantensprung.
In jedem Lebensabschnitt reifen bestimmte Fähigkeiten und Verhaltensweisen heran, die das Kind durch Erfahrungen zur Entfaltung bringen will.
So interessiert sich jedes Kind für Buchstaben, aber erst wenn die Fähigkeit zum Lesen herangereift ist. Das Kind ist aber keine Knetmasse, die man beliebig formen und an das man willkürliche Anforderungen stellen kann.
So vermag sich ein Kind frühestens mit 4 Jahren in andere Menschen einzufühlen und hineinzudenken. Zuvor ein em-pathisches Verhalten vom Kind zu verlangen, etwa im Umgang mit einem jüngeren Geschwister, überfordert es.
Es ist ein Anliegen dieses Buches aufzuzeigen, dass jedes Kind lernen will, aber auf seine Weise und in seinem Entwicklungstempo. In diesen Studien wurden zwischen und das Wachstum und die Entwicklung bei etwa gesunden Kindern von der Geburt bis ins Erwachsenenalter festgehalten und analysiert Largo et al.
Was ist für den Entwicklungsspezialisten Largo ein Kind? Für mich zeichnet sich ein Kind durch sein einmaliges Wesen aus.
Es hat mich immer wieder erstaunt, wie unverwechselbar Kinder sind. Bereits im ersten Lebensjahr ist das Kind eine Persönlichkeit und beginnt sich spätestens mit 2 Jahren seiner Individualität bewusst zu werden.
Seine individuellen Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften setzen sich im Laufe der Kindheit immer mehr durch.
Das Beste, was wir als Erwachsene tun können, ist: das Kind so annehmen wie es ist. Seine Individualität von klein auf zu respektieren, scheint mir mit das Wichtigste im Umgang mit Kindern zu sein.
In Ihren Arbeiten Largo , betonen Sie immer wieder die extremen Entwicklungsunterschiede bei Kindern, und zwar bereits in den ersten Lebensjahren.
Kinder beginnen zum Beispiel in sehr unterschiedlichem Alter zu sprechen. Die einen tun dies bereits früh mit 10 bis 12 Monaten, andere erst mit 24 bis 30 Monaten.
Wie offenbaren sich solche Unterschiede bei der Einschulung? Die Vielfalt nimmt im Verlauf der Kindheit immer mehr zu.
Wenn eine Lehrerin eine Klasse mit 20 7-jährigen Kindern vor sich hat, dann unterscheiden sich die Kinder in ihrem Entwicklungsalter um mindestens 3 Jahre Abbildung 1.
Es gibt Kinder, die mit 7 Jahren ein Entwicklungsalter von 8 bis 9 Jahren haben und bereits lesen können. Andere mit einem Entwicklungsalter von 5 bis 6 Jahren sind noch weit davon entfernt.
Bis zur Oberstufe nehmen die Unterschiede zwischen den Kindern noch einmal deutlich zu. Mit 13 Jahren variiert das Entwicklungsalter um mindestens 6 Jahre zwischen den am weitesten entwickelten Kindern und jenen, die sich am langsamsten entwickeln Abbildung 2.
Hinzu kommt, dass die Jungen als Gruppe im Mittel um eineinhalb Jahre in ihrer Entwicklung hinter den Mädchen zurückliegen.
Der Umgang mit dieser sogenannten interindividuellen Variabilität ist für Eltern und Lehrkräfte sehr anspruchsvoll. Eltern und auch Lehrer wundern sich immer wieder, wie unterschiedlich die Begabungen bei einem Kind ausgeprägt sein können.
Das eine Kind ist gut in Sprache, aber schwach in Mathematik; bei einem anderem ist es genau umgekehrt.
Wie lässt sich das erklären? Das rührt von der Vielfalt im Kind selbst her, der sogenannten intraindividuellen Variabilität; auch sie kann von Kind zu Kind unterschiedlich stark ausfallen.
Diese Vielfalt führt dazu, dass jedes Kind, aber auch jeder Erwachsene sein ihm eigenes Profil von Begabungen oder Kompetenzen aufweist.
Vier solche Profile von jährigen Kindern sind in den Abbildungen 3 bis 6 dargestellt. Bei Anna sind alle Fähigkeiten gleich stark ausgeprägt.
Ein Kind wie Anna ist mir allerdings noch nie begegnet. Dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit nach muss es solche Kinder irgendwo auf der Welt geben, doch sie sind sehr selten.
Für die Eltern und vor allem für die Lehrer bedeutet dies, dass sie sich auf jedes einzelne Kind je nach Kompetenz und Lernsituation individuell einstellen müssen.
Wollte man nun den Anspruch umsetzen, dass jedes Kind auf dem ihm entsprechenden Niveau unterrichtet wird, dann müsste man letztlich jedes Kind einzeln unterrichten, um ihm vollauf gerecht zu werden.
Ist das nicht eine Illusion? Wer die Vielfalt negiert, weil er glaubt, individualisierter Unterricht sei nicht realisierbar, der hat kapituliert, aber damit die reale Vielfalt unter den Kindern nicht aus der Welt geschafft.
Wenn in einer 2. Klasse an der Grund- oder Primarschule das eine Kind nur bis 10 zählen kann und das andere bereits bis ; wenn das eine Kind Bücher liest und das andere noch nicht einmal das ganze Alphabet kennt, dann kann man nicht einfach so tun, als gäbe es diese Unterschiede nicht.
Die Entwicklung eines Kindes hin zu einem unverwechselbaren Individuum lässt sich im Wesentlichen durch 3 Prozesse charakterisieren:.
Eine Fähigkeit wie die gesprochene Sprache entwickelt sich von Kind zu Kind qualitativ unterschiedlich bezüglich zeitlichem Auftreten und Ausprägung.
Je nach Umwelt, in der das Kind aufwächst, werden Fähigkeiten wie Sprache oder Essverhalten von Kind zu Kind unterschiedlich festgelegt.
Im Verlauf der Pubertät werden diese 3 Prozesse abgeschlossen. Damit haben das körperliche Wachstum, die Motorik und die Entwicklung der sogenannten fluiden Intelligenz ihren Höhepunkt, aber auch ihren Abschluss erreicht.
Die kristalline Intelligenz und die Persönlichkeit werden sich noch jahrzehntelang weiterentwickeln fluide und kristalline Intelligenz siehe Anhang.
Die Vielfalt unter den Kindern wird ganz wesentlich durch die Umwelt mitbestimmt. Offensichtlich ist dies bei der Sprache oder dem Beziehungsverhalten.
Diese sogenannte Heterogenität ist Ausdruck des sozialen, kulturellen und religiösen Umfeldes, in dem die Kinder leben. Die Heterogenität ist jedoch lediglich ein Teil der Vielfalt.
Der entscheidende Anteil an Vielfalt liegt in den Kindern selbst. Selbst wenn die Kinder unter den gleichen sozialen, kulturellen und religiösen Bedingungen aufwachsen würden, wären sie immer noch sehr verschieden.
Diese Vielfalt wahrzunehmen und ihr Rechnung zu tragen ist das Anliegen dieses Buches. Es gibt kein Entwicklungsmerkmal, welches bei allen gleichaltrigen Kindern gleich ausgeprägt ist.
Die einzelnen Eigenschaften und Fähigkeiten sind im Kind selbst unterschiedlich angelegt und reifen verschieden rasch aus zum Beispiel kann es sein, dass sich seine sprachlichen Fähigkeiten rascher entwickeln als seine motorischen intraindividuelle Variabilität.
Mädchen als Gruppe sind von Geburt an immer etwas weiter entwickelt als Jungen. Dies ist auf eine unterschiedliche Zeitskala der biologischen Reifung bei Mädchen und Jungen zurückzuführen.
Die soziale, kulturelle und religiöse Umwelt, in der das Kind aufwächst, trägt wesentlich zur Vielfalt unter den Kindern bei Heterogenität.
Wir alle haben unsere eigenen Vorstellungen davon, was bei einem Kind vererbt wird und welchen Beitrag die Umwelt an seiner Entwicklung leistet.
Welche Rolle spielen diese Vorstellungen bei unserem Umgang mit einem Kind? Aus diesen Vorstellungen entstehen Erwartungen, die wir an das Kind stellen.
Unsere Erziehungshaltung ist eine andere, wenn wir davon ausgehen, dass die Fähigkeit zu lesen je nach Kind verschieden angelegt ist und unterschiedlich rasch heranreift, oder wenn wir annehmen, dass wir das Kind durch möglichst frühe und intensive Erfahrungen mit dem Alphabet zum Lesen bringen können.
Es ist daher wichtig, ein Verständnis dafür zu haben, wie Anlage und Umwelt die Entwicklung eines Kindes bestimmen.
Die Gene werden uns zwar als magischer Schlüssel für alle Geheimnisse des Lebens präsentiert. Doch unter Anlage verstehe ich weit mehr als nur die Gene.
Selbst niedrige Tiere wie gewisse Reptilien haben fast vergleichbar viele Gene wie der Mensch. Mit dem Schimpansen haben wir mindestens 98,5 Prozent der Gene gemeinsam, fühlen uns aber doch recht verschieden.
An den Genen allein kann es also nicht liegen. Gene sind wie Balletttänzer in einem Ensemble. Und man kann auch kaum allein aufgrund der Zusammensetzung der Balletttruppe erahnen, was sie aufführen wird.
Mit dem gleichen Ensemble können ganz unterschiedliche Stücke inszeniert werden. Erst wenn sich die Tänzer und Tänzerinnen bewegen, miteinander interagieren, Szenen darstellen und eine Stimmung erzeugen, entsteht eine Ballettaufführung.
Dazu muss es eine Choreografie geben, die jeden Einsatz der Tänzer und Tänzerinnen während der ganzen Aufführung minutiös vorgibt.
Und so ist es auch mit den Genen. Sie erhalten erst dann ihre Bedeutung, wenn sie aktiv werden, miteinander interagieren, und dies alles nach einem hochkomplexen, zeitlich streng festgelegten Programm.
Balletttänzer können straucheln, einander verpassen, eine Sequenz vergessen oder einen Moment lang innehalten, weil sie durch ein Niesen im Publikum irritiert wurden.
Das kann ebenso in der pränatalen Entwicklung geschehen: Gene können defekt sein, zum falschen Zeitpunkt aktiv werden oder aus verschiedenen Gründen den Entwicklungsplan nicht genau befolgen.
Entscheidend ist also, wie dieser Entwicklungsprozess, der viele Monate in Anspruch nimmt, vonstatten geht.
Wir kennen zwar die Gene, verfügen aber nur über ein minimales Wissen darüber, wie die unzähligen Interaktionen zwischen den Genen ablaufen.
Es wird noch viele Jahre dauern, falls es überhaupt je gelingen sollte, bis wir diese hochkomplexen Vorgänge verstehen werden.
Die Anlage ist also weit mehr als nur der Ausdruck der Gene, sie ist das Produkt einer Entwicklung, die nicht nur 1 bis 2 Stunden dauert wie eine Ballettaufführung, sondern 9 lange Schwangerschaftsmonate, welche die Anlage braucht, um ein lebensfähiges Kind entstehen zu lassen.
Was ist hier durch die Anlage und was durch die Umwelt bedingt? Und wie wirken Anlage und Umwelt zusammen?
Das Kind kann sein gesamtes Wachstumspotenzial nur realisieren, wenn die Lebensbedingungen optimal sind. Dies ist dann der Fall, wenn es ausreichend ernährt wird, unter guten hygienischen Bedingungen aufwächst und nie ernsthaft über längere Zeit krank ist.
Diese Bedingungen sind für die meisten Kinder in Mitteleuropa gegeben. Das war früher in Mitteleuropa ganz anders.
Im Jahrhundert und in der ersten Hälfte des Jahrhunderts litt die Bevölkerung noch unter Hungersnöten, und ihre Gesundheit war durch schwere Infektionskrankheiten wie Tuberkulose beeinträchtigt.
Unter diesen schlechten Lebensbedingungen waren die Menschen im Mittel 10 bis 15 Zentimeter kleiner als heute. Sie hat aber in den letzten 30 Jahren alle sozialen Schichten erreicht.
Diese Entwicklung, der sogenannte säkulare Trend Van Wieringen , ist in unserer Bevölkerung weitgehend zum Stillstand gekommen.
In vielen Entwicklungsländern sind die Lebensbedingungen leider immer noch so wie bei uns vor Jahren.
Die Menschen sind kleiner, weil sie unter Mangelernährung, schlechten hygienischen Verhältnissen und Krankheiten leiden Schell et al. Man kann also auch unter idealen Umweltbedingungen nicht grenzenlos weiterwachsen.
Wo liegt die Obergrenze? Die Anlage schafft die Voraussetzungen für die Entwicklung und legt das Optimum fest, das ein Kind erreichen kann.
Die Umweltbedingungen bestimmen, wie viel von dieser Anlage realisiert werden kann. Die individuelle Grenze ist also durch die Anlage festgelegt und lässt sich nicht überschreiten.
Erst im Verlauf der Pubertät stellt sich der doch recht deutliche mittlere Unterschied von 13 Zentimetern zwischen Frauen und Männern ein.
Dazu tragen vor allem die Geschlechtshormone bei, die in der Pubertät aktiv werden. Wie unterschiedlich die Reifung verlaufen kann, wird am Auftreten der sekundären Geschlechtsmerkmale besonders gut ersichtlich Abbildung 8.
So kann die erste Menstruationsblutung Menarche bereits zwischen 9 und 10 Jahren oder aber erst mit 16 bis 17 Jahren auftreten mittleres Auftreten mit 12,5 Jahren.
Der pubertäre Wachstumsschub und der Abschluss des Längenwachstums stellen sich bei Spätzündern bis zu 6 Jahre später ein als bei Frühentwicklern.
Grundsätzlich ja. Und auch uns als Eltern oder Fachleuten befallen manchmal Zweifel, weil wir das Kind oft anders haben möchten und dazu neigen, seine Begabungen zu überschätzen.
Achtet man auf den Mittelwert dicker Strich , so stellt man fest: Kinder in Finnland erbringen eine bessere mittlere Leistung als Kinder in der Schweiz, in Deutschland und Österreich sowie eine deutlich bessere als Kinder in Mexiko.
Besonders beachtenswert ist jedoch die Ausdehnung der Balken. Die Balken für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind deutlich länger.
In allen 3 Ländern gibt es Kinder, die sehr gut lesen, aber auch mehr Kinder mit einer niedrigen Lesekompetenz als in Finnland.
Auch dort verfügt eine Gruppe von Schülern nur über eine geringe oder gar fehlende Lesekompetenz. Die Streubreite variiert also auch in Finnland zwischen sehr hoher bis fehlender Lesekompetenz.
Trotzdem sollten sie sich zu dieser Einsicht durchringen, wenn sie möglichst allen Kindern gute Lernbedingungen schaffen wollen. Je ungünstiger die sozioökonomischen Lebensbedingungen sind und je niedriger die Qualität des Bildungssystems in einer Gesellschaft ist, desto weniger Menschen können ihr individuelles Entwicklungspotenzial realisieren.
Dabei gibt es in solchen Gesellschaften, wie beispielsweise in Mexiko, immer auch Menschen, die materiell und sozial bevorteilt sind und durchaus einen hohen Bildungsstand erreichen können siehe Abbildung 9.
Je günstiger die Lebensbedingungen und je höher die Qualität des Bildungssystems in einer Gesellschaft sind, desto besser kann das Bildungspotenzial realisiert werden.
Der neuseeländische Politologe James R. Flynn hat tatsächlich einen solchen säkularen Trend auch für den Intelligenzquotienten in den Gesellschaften der hoch industrialisierten Länder nachgewiesen.
Für Letzteres spricht, dass der Anstieg des IQ vor allem den nicht sprachlichen, figural-räumlichen Fähigkeiten zuzuschreiben ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor war wohl auch die Verbesserung des Schulwesens, die bisher benachteiligten Kindern eine bessere Bildung ermöglichte.
Als Ursache wird unter anderem eine Bildungsverdrossenheit in der Bevölkerung vermutet. Noch einmal zum Zusammenwirken von Anlage und Umwelt: Kann der eine Faktor durch den anderen kompensiert werden?
Nein, Anlage und Umwelt können sich nicht gegenseitig kompensieren, denn sie tragen Unterschiedliches zur Entwicklung bei. Ihre Bedeutung wird in den Studien über ein- und zweieiige Zwillinge sowie über Geschwister besonders gut verständlich Abbildung 11, Wilson Sie haben — theoretisch — eine identische Anlage und leben im gleichen Milieu.
Unterschiede können sich dennoch ergeben, wenn ihre vorgeburtliche Entwicklung nicht gleich verlaufen ist oder die Eltern mit den beiden Kindern unterschiedlich umgehen.
Die Übereinstimmung der intellektuellen Leistungsfähigkeit beträgt im ersten Lebensjahr lediglich 50 Prozent, nimmt aber bis in die Adoleszenz auf beinahe 80 Prozent zu Näheres siehe Glossar unter Korrelationen.
Sie ist damit etwa gleich hoch, wie wenn die gleiche Person zwei Mal getestet wird. Inwieweit diese Übereinstimmung auf die gemeinsame Anlage beziehungsweise gemeinsame Umwelt zurückzuführen ist, lässt sich nicht entscheiden.
Diese Frage kann beantwortet werden, wenn man eineiige Zwillinge untersucht, die getrennt voneinander aufwachsen. Es kommt immer wieder vor, dass eineiige Zwillinge von zwei Familien adoptiert werden.
Obwohl sie in unterschiedlichen Familien leben und sich nie begegnet sind, verläuft ihre intellektuelle Entwicklung weitgehend so, wie wenn sie gemeinsam aufgewachsen wären.
Was vor allem erstaunlich ist: Sie werden sich bis ins Erwachsenenalter immer ähnlicher, wenn auch nicht ganz so ähnlich, wie wenn sie in der gleichen Familie gelebt hätten.
Die Übereinstimmung liegt bei fast 70 Prozent Scarr Die Umwelt hat — wie die Nahrung für das Wachstum — weniger eine gestaltende als vielmehr eine Art nährende Rolle.
Sie suchen daher auch in unterschiedlicher Umgebung nach ähnlichen Erfahrungen, soweit die Umwelt diese anbietet und zulässt. Zwillinge beeinflussen mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Verhalten die Umgebung auf eine ähnliche Weise, was wiederum den Umgang der Bezugspersonen mit ihnen beeinflusst.
Die Umwelt wirkt also weit weniger als bisher angenommen aktiv auf das Kind ein, sondern das Kind selbst ist aktiv. Die Umwelt bestimmt jedoch das Angebot an Erfahrungen, die das Kind machen kann.
Die Umwelt wirkt sich dann negativ auf die Entwicklung des Kindes aus, wenn sie ihm Erfahrungen vorenthält.
Diese These wird durch die Entwicklung von zweieiigen Zwillingen und Geschwistern gestützt. Zweieiige Zwillinge verfügen zu je 50 Prozent über gemeinsame Erbanlagen.
Sie sind sich damit nicht ähnlicher als Geschwister. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie gleich alt sind und im gleichen Milieu aufwachsen. In den folgenden Jahren leben sich zweieiige Zwillinge jedoch zunehmend auseinander, weil sie doch recht verschieden sind und aktiv unterschiedliche Erfahrungen suchen.
In der Adoleszenz beträgt die Übereinstimmung etwas mehr als 30 Prozent. Dieser Verlauf mag überraschen, wenn man bedenkt, dass die Kinder zur gleichen Zeit in der gleichen Familie aufwachsen und zumeist auch die gleichen Schulen besuchen.
Sie entwickeln sich mit den Jahren immer mehr auseinander, weil sie — genau wie Geschwister — unterschiedliche Interessen und Begabungen haben.
Zwillinge weisen mit ihren Geschwistern ebenfalls zu 50 Prozent die gleichen Anlagen auf und leben in der gleichen Familie. Der einzige Unterschied ist: Sie sind verschieden alt und müssen daher die Familie unterschiedlich erleben.
Wie wirkt sich das aus? Zwillinge machen mit ihren Geschwistern interessanterweise eine gegenteilige Entwicklung durch wie diejenige, die sie miteinander machen.
In den ersten Lebensjahren liegt die Übereinstimmung in ihrer intellektuellen Entwicklung lediglich bei 10 Prozent und ist damit deutlich niedriger als bei zweieiigen Zwillingen.
Da sie immerhin zu 50 Prozent eine gemeinsame Anlage haben, werden sich die Zwillinge und ihre Geschwister im Verlauf der Entwicklung jedoch immer ähnlicher.
Obwohl sie nicht alterssynchron aufwachsen, werden sie sich ähnlicher, weil sie aufgrund ihrer Anlage die gleichen Erfahrungen suchen und zumeist auch machen können.
Offenbar setzen sich die individuellen Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften im Verlaufe der Entwicklung immer mehr durch.
In einer gewissen Weise ja. Es ist aber auch ein von der Umwelt extrem abhängiges Wesen: Wenn ihm seine Umwelt die notwendigen Erfahrungen vorenthält, kann es sich nicht seiner Anlage entsprechend entwickeln.
Sandra Scarr hat ein Erklärungsmodell vorgeschlagen, dessen Stärke darin besteht, dass es sich durch Studienresultate bestätigen lässt, im Erziehungs- und Schulalltag nachvollziehbar ist und sich unmittelbar auf die Art und Weise auswirkt, wie wir mit dem Kind umgehen.
Dieses Modell geht von folgender Annahme aus:. Vielmehr sucht es sich aktiv jene Erfahrungen, die es braucht, um sich zu entwickeln.
Ein deutlicher Hinweis auf die aktiv bestimmte Entwicklung ist die Beobachtung, dass eine Begabung sich umso stärker durchzusetzen versucht, je ausgeprägter sie ist.
Wolfgang Amadeus Mozart wuchs in einer Familie auf, die ihn auf das Höchste förderte. Dass sich seine Begabung voll entfalten konnte, ist daher nicht weiter erstaunlich.
Er sprach als Kleinkind nur wenig, sang dafür umso mehr und fühlte sich von Tönen und Klängen geradezu magisch angezogen.
Bis zum vierten Lebensjahr hatte er sich das Klavierspiel mehr oder weniger selber beigebracht. Das Einzige, was er dazu brauchte, war ein Klavier.
Wenn wir davon ausgehen, dass das Kind nicht beliebige Erfahrungen verinnerlicht, sondern überwiegend solche, die seinen Interessen und Neigungen entsprechen, sollte seine Individualität im Verlaufe der Entwicklung immer deutlicher in Erscheinung treten: Das Kind wird immer mehr es selbst.
Verschiedene Studien zeigen überdies, dass sich diese Annäherung an sich selbst bis ins hohe Alter fortsetzt Baltes et al. Können sich Eltern und Lehrer also mehr oder weniger verabschieden und das Kind sich selbst überlassen?
Haben sie überhaupt noch eine Aufgabe? Eltern und Lehrer haben nur geringen Einfluss darauf, welche Erfahrungen ein Kind verinnerlicht.
Die enorm wichtige Aufgabe von Eltern und Lehrern besteht vielmehr darin, dem Kind möglichst gute Rahmenbedingungen zu gewährleisten, damit es die Erfahrungen machen kann, die es für seine Entwicklung braucht, und es in seinen Lernbemühungen zu unterstützen.
Sie geben beispielsweise dem Kind einen Text zum Lesen, der seiner Kompetenz möglichst gut entspricht und einen Leseerfolg verspricht.
Ohne Erfahrungen kann sich das Kind nicht entwickeln und wird nie lesen lernen. Da nützt auch die beste Anlage nichts, so wie auch ein Kind ohne Nahrung nicht wachsen kann.
Deshalb sind Bücher im Haushalt und lesende Eltern als Vorbilder auch so wichtig. Dies kann aber nur gelingen, wenn Eltern und Lehrer den Entwicklungsstand des Kindes erfassen sowie aufgrund des kindlichen Lernverhaltens einschätzen können, welche Erfahrungen das Kind überhaupt machen möchte.
Ist das so ohne Weiteres zu schaffen? Das Wichtigste ist, dass Eltern und Lehrer darauf vertrauen, dass sich das Kind entwickeln will, und sie sich bewusst sind, dass sie für entwicklungsgerechte Erfahrungen sorgen müssen.
Wenn es darum geht, den Erlebnisraum des Kindes zu gestalten, sind Kenntnisse über die kindliche Entwicklung hilfreich. Mein Eindruck ist, dass die angehenden Lehrer keine ausreichenden Kenntnisse über die kindliche Entwicklung vermittelt bekommen.
Sie müssen sich autodidaktisch im pädagogischen Alltag ein Verständnis für das Verhalten und die Entwicklung des Kindes aneignen.
Dabei gibt es nichts Spannenderes für einen Lehrer, als bei einem Kind mithilfe von Beobachtung herauszufinden, woran es wirklich interessiert ist.
Wenn er dem Kind dann das richtige Erfahrungsangebot machen kann und dieses vom Kind auch angenommen wird, ist dies für ihn eine sehr befriedigende Erfahrung.
Dabei muss der Lehrer die Anforderungen, welche er an das Kind stellt, immer wieder neu an die Bedürfnisse des Kindes anpassen. Sandra Scarr hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass sich die Bedeutung der Eltern und Lehrer im Verlaufe der Entwicklung ständig verändert.
Dann sind es die Schule und vor allem die Peergroups, also die gleichaltrigen Freunde, welche die Erfahrungen eines Jugendlichen bestimmen Harris Dabei verhält sich der Jugendliche nicht passiv.
Er geht vielmehr selektiv vor und wählt seinen Stärken, Neigungen und Bedürfnissen entsprechend Peers aus und die Erfahrungen, die er machen will.
Dabei kann es geschehen, dass er sich in seinen Interessen und Tätigkeiten kaum oder aber sehr weit von seinen Eltern entfernt.
Wie berechtigt ist denn die Hoffnung der Eltern, dass sie ihre eigenen Talente ihren Kindern vererben? Die oben gemachte Aussage bleibt dabei erhalten.
In der Familie von Albert Einstein war es zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber doch extrem unwahrscheinlich, dass einer seiner beiden Söhne gleich bedeutende oder gar noch bedeutendere Erkenntnisse gehabt hätte als der Vater.
Abbildung 14 zeigt, dass die Töchter sich um den Mittelwert herum verteilen, wenn die Mutter über einen durchschnittlichen IQ verfügt.
So werden die Töchter, deren Mütter über einen IQ von verfügen, in 16 Prozent intellektuell gleich oder noch begabter sein als die Mutter.
In 84 Prozent werden sie aber intellektuell weniger leistungsfähig, einige sogar nur durchschnittlich sein.
Für eine genaue Annäherung muss selbstverständlich die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Mutter und Vater berücksichtigt werden.
Eine weitere Grundvoraussetzung ist, dass nicht nur ein, sondern mehrere Gene zur Ausbildung eines Entwicklungsmerkmals beitragen, also eine sogenannte multifaktorielle Vererbung vorliegt.
Die Anlage schafft die Grundvoraussetzungen dafür, dass sich Fähigkeiten und Verhalten ausbilden können. Sie allein bringt aber weder Fähigkeiten noch Verhalten hervor.
Das gelingt nur gemeinsam mit der Umwelt. Die organischen und funktionellen Strukturen sind bei jedem Kind anders angelegt und reifen unterschiedlich rasch heran.
Fähigkeiten und Verhalten treten daher von Kind zu Kind in verschiedener Ausprägung und in einem anderen Alter auf. Die Anlage schafft die Voraussetzungen für die Entwicklung und legt das Entwicklungspotenzial eines Kindes fest.
Die Umweltbedingungen bestimmen, wie viel von diesem Potenzial realisiert werden kann. Selbst unter idealen Umweltbedingungen kann ein Kind nur entwickeln, was in ihm angelegt ist.
Die Umwelt trägt in zweierlei Hinsicht zur Entwicklung eines Kindes bei: Sie befriedigt seine körperlichen und psychischen Bedürfnisse.
Und sie ermöglicht dem Kind jene Erfahrungen, die es braucht, um sich Fähigkeiten und Wissen anzueignen. Wenn ihm die Umwelt die notwendigen Erfahrungen vorenthält, kann es sich nicht seiner Anlage entsprechend entwickeln.
Es orientiert sich an seinen Interessen und Neigungen. Die individuellen Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften setzen sich im Verlauf der Entwicklung immer mehr durch.
Die Umwelt bestimmt das Angebot an Erfahrungen, die das Kind machen kann. Das Kind bestimmt, was es davon aufnehmen will. Das Kind kann immer nur so viel von der Umwelt aufnehmen, wie ihm von seinem Entwicklungsstand vorgegeben ist.
Ein Angebot, welches über seine Bedürfnisse hinausgeht, bleibt ungenutzt oder behindert gar seine Entwicklung. Die Kinder sind den Eltern dann am ähnlichsten, wenn die Eltern in ihren Fähigkeiten durchschnittlich sind.
Eltern und Lehrkräfte haben oft sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich Kinder entwickeln und wie sie lernen sollen. Lässt sich überhaupt entscheiden, welche Vorstellungen die richtigen sind?
Sobald wir uns mit Kindern beschäftigen, treffen wir gewisse Annahmen, die auch unsere Erwartungen und unseren Umgang mit dem Kind bestimmen. Er zeigt jedoch noch kein Interesse an Buchstaben und verweigert sich, sobald er Buchstaben lesen oder malen soll.
Häufig werden Kinder, die nicht unseren Erwartungen entsprechen, als faul, ablenkbar, unkonzentriert oder unruhig beschrieben.
Wenn es nur wollte, dann könnte es schon! Je nach unseren Vorstellungen, die wir von der kindlichen Entwicklung haben, werden wir mit einem Kind wie Patrick unterschiedlich umgehen.
Entweder wir akzeptieren, dass er noch nicht so weit ist in seiner Entwicklung und warten folglich ab.
Oder aber wir meinen, dass seiner Entwicklung mit Förderung nachgeholfen werden müsse. Es lohnt sich also, die eigenen Vorstellungen über Entwicklung und kindliches Lernen kritisch zu hinterfragen.
Kann man denn ein Kind wie Patrick einfach sich selbst überlassen und darauf warten, dass es selbstständig lernt?
Ist er nicht auf die Unterstützung der Erwachsenen angewiesen? Beides trifft zu. Doch je nach Lernform braucht das Kind eine andere Art von Unterstützung.
Kinder lernen auf unterschiedliche Weise. Das Kind eignet sich soziales Verhalten durch Nachahmung an.
Die gegenständliche Umwelt lernt das Kind mit seiner Motorik und seinen Sinnen kennen und verstehen, indem es sich intensiv mit Gegenständen beschäftigt.
Solche Kenntnisse muss das Kind eigenständig erwerben, wir können sie ihm nicht beibringen. Diese Form des Lernens ist bis in die Pubertät vorherrschend.
Beim Unterweisen sollte das Lernangebot in Form und Inhalt den entwicklungsspezifischen Interessen des Kindes angepasst sein.
Idealerweise werden dem Kind Erfahrungsmöglichkeiten angeboten, die es selbstständig nutzen und so eigenständig zu neuen Einsichten kommen kann.
Ein 15 Monate altes Kind schüttelt heftig eine Flasche, um so an den Inhalt heranzukommen. Wenn man ihm zeigt, dass die Flasche durch Kippen entleert werden kann, wird das Kind dieses Verhalten übernehmen, aber nur dann, wenn sein Verständnis dafür bereits so weit entwickelt ist.
Genauso ist es mit dem Verständnis für den er-Schritt beim Rechnen. Die meisten 8-jährigen Kinder verstehen problemlos den er-Schritt, einige noch nicht.
Wenn ein Kind noch keine innere Vorstellung von dem Zahlenraum jenseits von 10 hat, wird alles Unterweisen nichts fruchten siehe Üben. Das Interesse lässt sich bei einem Kind nur dann durch Unterweisung wecken, wenn es in seiner Entwicklung so weit ist, dass es verstehen kann, worum es dabei geht.
Diese Feststellung gilt nicht nur für die ersten Lebensjahre, sondern für das gesamte Schulalter. Spielt und lernt das Kind selbstständig, sollten Erwachsene nicht eingreifen und das Kind anleiten, es sei denn, es bittet darum.
Unterstützung sollte nicht darin bestehen, dass ein Lehrer, der permanente Überlegenheit ausstrahlt, Kindern Fähigkeiten und Wissen beibringt.
Die ideale Unterstützung besteht darin, dass der Lehrer das Umfeld der Kinder so gestaltet und sie in ihren Aktivitäten so unterstützt, dass sie selbstständig zu Erfahrungen und neuen Einsichten kommen können.
Das Kind sollte das Gefühl haben: Ich habe es allein geschafft. Eltern und Lehrer sollten sich so weit wie möglich zurücknehmen.
Die Abbildung 16 beschreibt die individuelle Entwicklung der Lesekompetenz bei 3 Jungen. Eldar zeigt eine durchschnittliche Entwicklung, er beginnt sich für Buchstaben mit ungefähr 7 Jahren zu interessieren.
Mit 16 Jahren ist seine Lesekompetenz vollständig ausgebildet. Lars fängt bereits mit 3 bis 4 Jahren an zu lesen.
Er verfügt mit 16 Jahren über eine Lesekompetenz, die deutlich höher ausfällt als diejenige von Eldar. Lebensjahr, seine Lesekompetenz bleibt auch mit 16 Jahren niedrig.
Wie unterschiedlich die Entwicklung bei diesen 3 Kindern verläuft, zeigen folgende Vergleiche: Lars kann mit 10 Jahren gleich gut lesen wie Eldar mit 16 Jahren und ist bereits mit 8 Jahren so kompetent wie Patrick mit 16 Jahren.
Während etwa 20 Prozent der Schüler einen komplexen Text verstehen, verfügen etwa 20 Prozent über eine Lesekompetenz, die sich auf das Lesen eines sehr einfachen Textes beschränkt.
Die Mehrheit der Kinder liegt zwischen diesen beiden Extremen. Die Grafik zeigt: Je älter die Kinder werden, desto mehr unterscheiden sie sich in ihrer Lesekompetenz.
Die meisten Kinder, die früh zu lesen beginnen, weisen später eine hohe Lesekompetenz auf. Kinder, die spät mit dem Lesen anfangen, können aufholen und noch eine gute Lesekompetenz erreichen.
Das kindliche Interesse an Buchstaben nehmen wir als Neugier wahr. Irgendwann will es lesen und schreiben lernen. Im Allgemeinen halten wir Neugier für eine Charaktereigenschaft, die mehr oder weniger unveränderbar ist.
Trifft diese Vorstellung zu? Und lässt sich Neugier auch wecken? Als Entwicklungsspezialist würde ich Neugier nicht als Charaktereigenschaft bezeichnen, sondern vielmehr als eine Form von Spannung.
Abbildung 17 zeigt die Lernkurve von Lars. Die rote Kurve, die sein Entwicklungspotenzial beschreibt, gibt in etwa die neurobiologische Reifung in Bezug auf die Lesefähigkeit wieder.
Für jeden Entwicklungsschritt, zu dem sein Gehirn heranreift, braucht Lars die entsprechenden Erfahrungen, damit er seine Lesekompetenz weiterentwickeln kann.
Bei Patrick verläuft die Kurve des Entwicklungspotenzials blau viel flacher als bei Lars. Dementsprechend fällt bei ihm auch die Spannung geringer aus.
Diese Spannung zwischen dem aktuellen Entwicklungsstand der Lesekompetenz und dem neurobiologischen Entwicklungsstand nehmen wir als Neugierde war.
Das Kind erlebt den Abbau der Spannung als sogenannte Flow-Erfahrung: Es geht vollkommen in seiner Tätigkeit auf und erlebt dabei eine tiefe Befriedigung Csikszentmihalyi Lars und Patrick suchen, jeder auf seine Weise, immer wieder neue Erfahrungen, um die Spannung abzubauen.
Dabei sind es nicht beliebige Erfahrungen, sondern solche, die bezüglich Wortwahl und Wortschatz, Komplexität der Satzkonstruktion sowie inhaltlicher Aussagen leicht über ihrer aktuellen Lesekompetenz liegen.
Idealerweise stimmen der Entwicklungsstand und das Leseangebot diesbezüglich möglichst gut und oft überein. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Neugierde können wir bei einem Kind wecken, wenn wir ihm ein Angebot machen, das im Bereich seiner Lesekompetenz oder — noch besser — leicht darüber liegt.
Je besser ein Kind lesen kann, desto weniger wichtig ist der Lesevorgang an sich und desto wichtiger wird die inhaltliche Aussage des Textes.
Bei Lars ist es schon bald der Inhalt, der den Reiz des Lesens ausmacht, bei Patrick hingegen bleiben es noch für lange Zeit die formalen Herausforderungen des Lesens.
Und wenn die Neugierde ausbleibt? Als erfahrene operative Spezialisten ist es uns möglich durch roboterassistierte Chirurgie komplexe Eingriffe in der Tumorchirurgie und Rekonstruktion der Harnwege mithilfe der neuesten DaVinci Generation durchzuführen.
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Diese lustige Meinung